Dr. Schmitz & Partner – Hauspostille - Schlaglichter aus dem Leben der Berliner Strafverteidiger und Berichtenswertes aus Sicht eines Anwaltes

Wenn Rechtsanwalt draufsteht ist nicht immer Rechtsanwalt drin

Es war einmal.
Es war einmal eine Zeit, da mußte man das Abitur ablegen, mindestens 8 Semester Jurisprudenz studieren, das erste Staatsexamen ablegen, mehre Jahre die Referendarzeit absolvieren und sich dem zweiten, großen, Staatsexamen stellen. Das bestandene zweite Staatsexamen befähigt zum Richteramt. Die Befähigung zum Richteramt war lange Jahre Voraussetzung für die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.
Lang, lang ist es her.
Die EU machte es möglich: Wer in einen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und der Schweiz oder der anderen Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraums, beispielsweise Lettland oder Slovenien, Zypern oder Malta, eine Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erlangt hat, kann sich hier ohne weitere Prüfung nach dem Gesetz über die Tätigkeit europäischer Rechtsanwälte in Deutschland, EuRAG, zur Rechtsanwaltschaft zulassen lassen. Es bedarf keiner weiteren Prüfung oder dergleichen, er muß nur die Berufsbezeichnung seines Herkunftslandes verwenden und hat alle Rechte und Pflichten eines Rechtsanwaltes in der Bundesrepublik.
Wer eine mindestens dreijährige effektive und regemäßige Tätigkeit als niedergelassener europäischer Rechtsanwalt in Deutschland nachweist, kann auch unter der Berufsbezeichnung Rechtsanwalt künftig seine Tätigkeit ausüben, ist also nicht mehr zu unterscheiden von Rechtsanwälten, die beide Staatsexamina abgelegt haben. Diese Tätigkeit muß keine Vollzeittätigkeit sein, es sollen beispielsweise auch zwei Wochentage an einer Universität ausreichend sein.
Ich brauche sicher nicht zu erwähnen, daß es Länder des Europäischen Wirtschaftsraumes gibt, in denen die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft an ähnliche Leistungshürden wie in Deutschalnd geknüpft ist.
Ich habe nichts gegen Wettbewerb. Was ich daran nicht mag ist die Tatsache, daß dies dem Clienten nicht klar gemacht wird. Selbst wenn der Kollege diesen Vorschriften genügt, und sich beispielsweise als „Advocate“ bezeichnen, hält das doch der nicht informierte Auftraggeber für eine Zusatzqualifikation, statt der zutreffenden Information, daß dies die einzige Qualifikation des „Advocates“ ist und er sich nicht als Rechtsanwalt bezeichnen darf.

Kategorie: Allgemein Geschrieben: Samstag, 06.08.2011 um 13:46 von | Comments (11)

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11 Kommentare

  1. Reaktion von RA JM:

    Ein bisschen OT:
    Schön wäre es aber auch, wenn n Deutschland eine mehrjährige Vollzeittätigkeit als Rechtsanwalt (Volljurist, versteht sich) Voraussetzung der Berufung zum Richter wäre.

    6. August 2011 @ 15:39
  2. Reaktion von RA Jede:

    Ach ja! Mand darf am Samstag ja mal träumen!

    6. August 2011 @ 15:43
  3. Reaktion von Jens:

    Der Beitrag entbehrt der Logik. Wo „Rechtsanwalt“ draufsteht, ist im Gegenteil immer ein deutscher Rechtsanwalt drin. Wenn „Avvocado“ draufsteht, ist gerade kein deutscher Rechtsanwalt drin. Eigentlich ebenso klar wie verbraucherfreundlich.

    6. August 2011 @ 18:35
  4. Reaktion von RA Jede:

    Nach 3 Jahren steht Rechtsanwalt druff und drinnen is immer nochn Avocado.

    6. August 2011 @ 18:52
  5. Reaktion von Marcus Meyer:

    Vermutlich hat keiner von Ihnen bei einem Rechtsanwalt mal ins Klo gegriffen. Ich gleich 2x. Wo Rechtsanwalt draufsteht, ist leider häufig Luft, Unfaehigkeit und Dummheit drin. Was soll jetzt schlimmer werden?

    6. August 2011 @ 21:39
  6. Reaktion von Herr Dr. Jocko:

    Es gibt aber auch reichlich Anwälte, die mit ihren Mandanten ins Klo gegriffen haben, weil von ihnen – den Mandanten – nur heiße Luft, Unfähigkeit und Dummheit geliefert wird, aus dem dann auch ein Spitzenjurist nichts mehr machen kann.

    6. August 2011 @ 23:08
  7. Reaktion von Max:

    Ist es nicht noch schlimmer, dass diejenigen Juristen, die nur das DDR-(Un)recht studiert hatten, plötzlich – ohne Zusatzprüfung, oder so – Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter in Deutschland geworden sind…
    Ich habe in meinem Leben so viele grottenschlechte Kollegen erlebt, da ist mir mancher Avocado lieber, der wenigstens die Akte richtig gelesen hat….

    7. August 2011 @ 09:37
  8. Reaktion von OG:

    „dem Clienten“ ?

    7. August 2011 @ 13:48
  9. Reaktion von Phillip Heine:

    Der letzte Absatz dürfte auch nicht der Realität entsprechen, bzw. ist schlicht zu platt. Meine Erfahrung ist jedenfalls eine gänzlich andere. Mandanten gehen mit dem Thema sehr differenziert um.

    7. August 2011 @ 14:05
  10. Reaktion von helmutkarsten:

    Nirgends, wo Rechtsanwalt draufsteht – ist Rechtsanwalt drin. Das System würde das doch schon gar nicht zulassen. Ist halt nur ein ‚Label‘.

    11. August 2011 @ 15:00
  11. Pingback from Kammerversamm­lung am 9. März 2016, 15:00 Uhr. Selbstverwaltung aktiv mitgestalten | Dr. Schmitz & Partner – Hauspostille:

    […] Der Markt der Rechtsberatung wird für den Rechtsuchenden immer undurchsichtiger. Rechtsanwalt kann auch sein, wer keine juristischen Staatsexamina abgelegt hat. Wenn Rechtsanwalt draufsteht, ist nicht immer Rechtsanwalt drin […]

    2. März 2016 @ 18:04
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