Dr. Schmitz & Partner – Hauspostille - Schlaglichter aus dem Leben der Berliner Strafverteidiger und Berichtenswertes aus Sicht eines Anwaltes

Vergewaltigung – Wie würden Sie entscheiden

Hier der Text der Norm, soweit für diese Frage relevant:

§ 177 StGB
Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung
(1) Wer eine andere Person
1. mit Gewalt,
2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,
nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung), oder
2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.

Hier der Sachverhalt, am Ende des Beitrage die Umfrage

Der Angeklagte sagte im weiteren Verlauf des Abends zu L und C, dass sie die Wohnung nunmehr verlassen sollten. Frau L und Frau C taten was der Angeklagte von ihnen wollte und gingen aus der Wohnung.

Auch aus Wahrnehmung der Zeugin T befanden sich Frau L und Frau C im Bereich des Treppenhauses. Die Zeugin hatte den Eindruck gewonnen, dass die Wohnungstür nur angelehnt war.

Dann sprach der Angeklagte mit der Zeugin T und ging zu ihr herüber. Er begab sich zu der Zeugin auf die Matratze. Der Angeklagte legte sich zu der Zeugin. Die Zeugin war oben herum mit einem Top, darunter einem Büstenhalter und unten herum mit Boxer Shorts, darunter einem Tanga Slip bekleidet. Der Angeklagte forderte die – sexuell nicht unerfahrene – Zeugin T auf, sich auszuziehen. Sie sagte zunächst: „Nein, mache ich nicht.“

Was dann im Einzelnen geschah, konnte die Kammer nicht in allen Einzelheiten aufklären. Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die Zeugin ihre zunächst abwehrende Haltung aufgab und sich freiwillig und selbständig und ohne weitere Einflussnahme des Angeklagten entkleidete.

Anschließend legte sie sich rücklings auf die Matratze und hob ihre Beine hoch, um dem Angeklagten ein Eindringen seines Penis in ihre Scheide zu ermöglichen. Der Angeklagte vollzog dann mit ihr den vaginalen Geschlechtsverkehr. Er ejakulierte in der Zeugin. Den Geschlechtsakt selbst erlebte die Zeugin als unbefriedigend und sie wollte ihn nicht. Während des Geschlechtsverkehrs verhielt sich die Zeugin allerdings für den Angeklagten nicht erkennbar abwehrend, sondern ließ den Geschlechtsverkehr über sich ergehen. Den Geschlechtsakt empfand sie als Übergriff. Sie widersetzte sich dem Angeklagten aber weder verbal noch tätlich. Dass der Angeklagte Kenntnis von dem entgegenstehenden Willen der Zeugin erlangte, ließ sich nicht feststellen.

Die Zeugin T ging davon aus, dass sich noch weitere Bewohner in dem Haus befanden, sie verhielt sich während des Geschlechtsakts leise, weil sie nicht wollte, dass Nachbarn durch Geräusche auf den Geschlechtsverkehr aufmerksam wurden.

Nach dem Geschlechtsverkehr zog sich die Zeugin T wortlos wieder an. Dann kamen Frau L und Frau C zurück in die Wohnung. Bei der Rückkehr mussten die Damen L und C nicht die Tür aufschließen, da die Wohnungseingangstür nicht abgeschlossen war. Mit den beiden Frauen sprach die Zeugin nicht über das, was in deren Abwesenheit geschehen war.

Die Zeugin T blieb in der Wohnung, obwohl sie diese auch hätte verlassen können. Die Zeugin hatte zu keiner Zeit die Erwartung, dass sie die Wohnung nicht auf ihren Wunsch verlassen konnte.

Im weiteren Verlauf des Abends gerieten Frau C und der Angeklagte heftig in Streit. Der Angeklagte schlug mit einem Staubsaugerrohr auf Frau C ein. Frau L und Frau C baten die Zeugin T, deshalb die Polizei zu rufen. Die Zeugin T lief in das Badezimmer und rief von dort mit ihrem Mobiltelefon die Polizei. Die Beamten kamen zum Tatort und nahmen die Ermittlungen auf. Hinweise auf ein Sexualdelikt erhielten sie nicht. Die Zeugin T machte ihnen gegenüber keine dementsprechenden Angaben.

Das vollständige Urteil finden Sie: Hier!

Ist der oben geschilderte Sachverhalt eine strafbare Vergewaltigung?

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