Dr. Schmitz & Partner – Hauspostille - Schlaglichter aus dem Leben der Berliner Strafverteidiger und Berichtenswertes aus Sicht eines Anwaltes

Feministische Linguistik-Polizei

Der Studierendenausweis. Was ist aus dem guten alten „Studentenausweis“ geworden? Ach, das darf man nicht mehr sagen? Warum: Wegen geschlechtsungerechter Sprache!

Also nochmal von vorne: Mittlerweile müssen Professores ihre Studentschaft als Studierendenschaft ansprechen; schließlich ist das politisch korrekter. Die feministische Linguistik hat es sukzessive erreicht, die deutschen Universitäten hinsichtlich dieses Sprachungeheuers gleichzuschalten. Ein Beispiel gefällig: Heidelberger Studierendenausweis.

Übrigens: Rein sprachlich gesehen, wird Studierende zumeist inkorrekt verwandt. Es ist nämlich Partizip Präsens. Dazu ein bekannter Satz von Max Goldt:

„… nach einem Massaker an einer Universität: «Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden.» Niemand kann gleichzeitig sterben und studieren.“

Daraufhin wollte ich mich mal bei der Gleichstellungsbeauftragten am Uniplatz in Heidelberg beschweren. Doch als ich eintreten will, sehe ich dieses Schild:

Es ist nur die weibliche Form „Gleichstellungsbeauftragte“ und „Beauftragte für Chancengleichheit“ in Stein gemeißelt. Soll das heißen, dass man sich als Mann erst gar nicht dafür bewerben darf? Oder hat die Uni so viel Geld, dass dann jedesmal bei Stellenwechsel ein neues Schild gekauft und angebracht wird?

Und überhaupt, die ist aber für viele Sachen beauftragt, die Gleichstellungsbeauftragte: Beauftragte für Chancengleichheit, Ur- und Frühgeschichte, Uruk-Warka-Sammlung …

Kategorie: Allgemein Geschrieben: Mittwoch, 27.06.2012 um 15:31 von | Comments (11)

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11 Kommentare

  1. Reaktion von Das Es:

    Macht HausmeisterIn grade Pause? 🙂
    Man ist das Schild dreckig…

    27. Juni 2012 @ 15:43
  2. Reaktion von Gast:

    Würden Sie auch von einer/einem „(Partei-)Vorsitzenden“ verlangen, dass er/sie immer gerade vorsitzt – bzw., weil er/sie das natürlich nicht tut (insbesondere, wenn er/sie gerade in der Badewanne sitzt), den Begriff für „sprachlich inkorrekt“ erklären? Oder würden Sie das einfach deshalb nicht tun, weil Sie sich nämlich an den „Vorsitzenden“ schon gewöhnt haben, an den „Studierenden“ aber noch nicht?

    27. Juni 2012 @ 15:52
  3. Reaktion von F.J.:

    @Gast:
    Gehen wir vom Lateinischen aus: Der Präsident (auf deutsch: Vorsitzender oder Vorsitzende) hat ein Amt inne. Auch wenn er in der Badewanne sitzt, würde ich ihn immer noch als Präsidenten bezeichnen. Schließlich hat dieses Substantiv in meinen Augen einen durativen Charakter. Der Präsidierende hingegen ist jemand, der momentan (also punktueller Aspekt) vorsitzt.

    Ähnlich sieht es beim Studenten aus.

    Vorsitzender ist ein deutsches Wort. Es ist leider nicht ganz so differenzierend.

    27. Juni 2012 @ 16:23
  4. Reaktion von Jan:

    ‚Student‘ und ‚Studierender‘ sind gleichbedeutend, insoweit das deutsche ’studieren‘ dieselbe Bedeutung hat wie das lateinische ’studere‘. (Hat es natürlich nicht ganz. ’studieren‘ ist ja eine moderne Verengung von ’studere‘, aber das ist hier jetzt mal nebensächlich.)

    Gleiches gilt für den Vorsitzenden und den Präsidenten. Deine Differnzierung zwischen dem Präsidenten und dem Präsidierenden mag konnotativ (vielleicht sogar denotativ) richtig sein, ist aber grammatisch völlig willkürlich.

    Implizierst Du im letzten Satz, dass das Deutsche weniger genau differenziert als das Lateinische? In der Behauptung widerlegst Du Dich selbst, denn im Lateinischen kann, im Gegensatz zum Deutschen, eben nicht zwischen Präsidenten und Präsidierendem unterschieden werden.

    Ansonsten noch liebe Grüße vom Meister der Klugscheißer an einen gelehrigen Novizen! ;D

    P.S. In der Sache gebe ich Dir natürlich Recht. ‚Studierendenausweis‘ ist ein ekeliges Wort und es als Ersatz für ‚Student‘ einzusetzen, bedeutet Verarmung der Sprache, könnte man es doch zumindest konnotativ genau wie Dein Beispiel mit dem Präsidierenden verwenden.

    27. Juni 2012 @ 16:51
  5. Reaktion von Daniel:
    27. Juni 2012 @ 17:34
  6. Reaktion von RA JM:

    Und dieser feministische Linguistik sind dann so schöne Gesetzestexte wie z.B. die Gemeindeordnung S-H zu verdenken. Beispiel § 40 a:

    (3) Über den Antrag, die hauptamtliche Bürgermeisterin oder den hauptamtlichen Bürgermeister oder eine Stadträtin oder einen Stadtrat aus dem Amt abzuberufen, ist zweimal zu beraten und zu beschließen. Die zweite Beratung darf frühestens vier Wochen nach der ersten stattfinden.

    Erhöht die Lesbarkeit ungemein, oder? 😉

    27. Juni 2012 @ 19:23
  7. Reaktion von RA Jede:

    Zur Vereinfachung kennt die Geschäftsordnung der Rechtsanwaltskammer Berlin nur die weibliche Form, wobei es den Amtsinhaberinnen freigestellt ist, die männliche Form oder das generische maskulinum zu führen.
    🙂

    27. Juni 2012 @ 20:25
  8. Reaktion von RA Jede:

    @ Daniel:

    ROTFL

    27. Juni 2012 @ 20:44
  9. Reaktion von cepag:

    Habe mir grade eine Tüte Studierendenfutter aufgerissen, knabbere und fühle mich hier gut unterhalten.
    Heisst es in Heidelberg eigentlich auch Studierendenwerk? Wäre konsequent.
    Als Strafverteidiger frage ich mich, warum die Begriffe „Straftäter“ (fast immer) und „Gewaltverbrecher“ (ausnahmslos) gender-ungerecht (nur männl.) verwandt werden.
    P.S. Gestern las ich über die Demonstration in Berlin gegen die geplanten GEMA-Tariferhöhungen. Eine Rednerin soll angekündigt worden sein als „Mitgliedin des Abgeordnetenhauses“.

    28. Juni 2012 @ 09:08
  10. Reaktion von cepag:

    Im Fakultätsrat des Instituts für Geschichte der Martin-Luther-Uni Halle/Wittenberg hat Herr DIRK NAGEL (siehe hier:
    http://www.geschichte.uni-halle.de/institutsgruppe/1456427_1625585/mitglieder_09/) welches Amt inne?

    Gleichstellungsbeauftragter für Linkshänder.

    28. Juni 2012 @ 11:26
  11. Reaktion von Oli:

    Man beachte, dass die junge Dame auf dem Studierendenausweis immer noch MusterMANN heißt. Das, liebe Frauen und Frauinnen, solltet ihr euch nicht bieten lassen!

    28. Juni 2012 @ 15:24
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