Dr. Schmitz & Partner – Hauspostille - Schlaglichter aus dem Leben der Berliner Strafverteidiger und Berichtenswertes aus Sicht eines Anwaltes

Glaube keinem Scan, den Du nicht selbst gefälscht hast

Unter diesem Motto stand der witzige und trotzdem informative Vortrag von Dr. David Kriesel auf dem Chaos Communication Congress (31c3)[1] am 28.12.2014 in Hamburg. Er bringt das Problem knallhart auf den Punkt.

Einige Xerox-Scankopierer verändern geschriebene Zahlen. Und das seit Jahren! Das ist die knallharte Message, der auch von Xerox nicht widersprochen wird. Das Besondere: Nicht die OCR (Texterkennung) verändert die Zahlen, sondern die Bilddatei wird verändert. Es sieht so aus, als verwendet das Gerät „ähnliche“ Bildbestandteile (Patches) mehrfach, sucht sich also aus seinem „Bilderwörterbuch“ passende Bilder aus, mit denen es die Originalstelle überdeckt.

Aufgeflogen ist das Ganze an eingescannten Bauplänen und wegen eines Mitarbeiters, der sich doch sehr wunderte, warum ein Raum mit angeblich 14 Quadratmetern deutlich größer ist, als der danebenliegende 22-Quadratmeter-Raum.

Ein anderes Beispiel aus einem Kostenregister:

Vorher Nachher
kostreg-vorher
kostreg-nachher

Das Strafverteidigerteam unserer Kanzlei is „not amused“! Wir arbeiten seit Jahren mit eingescannten Unterlagen. Wir scannen mit Geräten, die diese Fehler nicht produzieren.

Mittlerweile erhalten wir jedoch häufig Akteneinsichten von Staatsanwaltschaften in digitaler Form.

Wir werden wohl nachfragen müssen, mit welchem konkreten Gerät der Scan durchgeführt wurde.

Für die Hauptverhandlungen wird das auch nicht einfacher werden. Wann ist etwas ein Original, wann ein Scan? Welchen Beweiswert haben die in den Akten befindlichen (gescannten?) Unterlagen? Gerade die Baupläne sind dafür ein gutes Beispiel. Ich denke, das Thema wird die Verteidiger und Gerichte wohl noch lange beschäftigen.

Frage an den Sachverständigen:

Woher stammen die von Ihnen für Ihre Berechnung verwandten Zahlen?
Können Sie ausschließen, daß sie aus einem Scan mit einem Xerox-Gerät stammen?

Einzelheiten finden sich bereits seit August 2013 auf dem Blog des Informatikers aus Bonn, Dr. Kriesel

Der ausgesprochen amüsante Vortrag auf der Chaos-Computer-Club-Tagung findet sich in deutscher Sprache: hier[2]

Und hier noch die Vortragsfolien zum Vortrag.

  1. [1]des Chaos Computer Clubs, der größten europäischen Hackervereinigung
  2. [2]Vorsicht: 1 Stunde 14 Minuten

Kategorie: Allgemein Geschrieben: Freitag, 02.01.2015 um 12:02 von | Comments (3)

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3 Kommentare

  1. Reaktion von RA Jede:

    Meine Lieblingsstelle in dem Vortrag ist die Erklärung des Redakteurs, warum die Nachricht nicht in die Tagesschau aufgenommen wird:

    Ist ja ganz cool, dafür wollen wir aber, daß das beim richtigen Kopieren passiert und nicht nur beim Scannen …
    21’26“

    Arbeitet sein Kopierer mit Matritzen? Muß unbedingt in unsere Rubrik Journalistenbeschimpfung 😉

    2. Januar 2015 @ 15:05
  2. Reaktion von Gerhard Ostfalk:

    Dass eine „6“ oft wie einer „8“ wiedergegeben wird, hatte ich schon häufig bei einfachen Kopien beobachtet. Also auch bei Kopien kann man sich auf widergegebene Zahlen nicht verlassen.

    2. Januar 2015 @ 17:08
  3. Pingback from Markierungen 01/03/2015 - Snippets:

    […] Glaube keinem Scan, den Du nicht selbst gefälscht hast | Dr. Schmitz & Partner – Hauspostill… […]

    3. Januar 2015 @ 05:33
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