Dr. Schmitz & Partner – Hauspostille - Schlaglichter aus dem Leben der Berliner Strafverteidiger und Berichtenswertes aus Sicht eines Anwaltes

Fortbildung

Eine Woche Fortbildung inmitten wunderschöner Herbstwälder. Die täglichen Nachrichten über 20 Jahre Mauerfall sollen mich verschonen. Die Aussicht aus dem Fenster auf die Große Lanke läßt mich neugierig werden.

Große Lanke

Den gleichen Blick hatte wohl auch Friedrich-Wend zu Eulenburg, der die Villa zwischen 1906 und 1908 erbaute und 1907 die Bewirtschaftung der Liebenburger Güter von seinem Vater Philipp übernahm. Dieser ging mit der Eulenburg-Affäre in die Geschichte ein und starb 1921 einsam und geächtet ein paar hundert Meter entfernt von hier. Sein langjähriger Freund Kaiser Wilhelm II. war hier regelmäßiger Jagdgast, erteilte dessen Sohn die Sondergenehmigung zur Heirat mit einer Katholischen und gehörte auch zu den Hochzeitsgästen.

Während der Nazizeit war Göring hier häufig bei Friedrich-Wend Jagdgast. Seine Cousine, Philipps Enkelin Libertas Haas Heye, die bereits 1933 in die NSDAP-Ortsgruppe eingetreten war, heiratete in Liebenberg 1936 Harro Schulze-Boysen. Beide wurden zwei Tage vor Heiligabend 1942 als Mitglieder der Widerstandsgruppe Rote Kapelle hingerichtet. In der Villa mit Blick auf die Große Lanke forschte ab 1943 Otto Heinrich Warburg, der 1931 den Nobelpreis für Medizin erhielt.

Den gleichen Blick genossen ab 1946 die Gäste des Zentralkomitees der SED streng abgeschirmt von den Arbeitern und Bauern und sonstigen Werktätigen. Das Gebiet rundum wurde per Volkskammerbeschluß 1964 zum staatlichen Jagdgebiet erklärt und auch hohe Staatsgäste genossen das wildreiche Gebiet.

Das ist jetzt seit zwanzig Jahren vorbei.

Kategorie: Allgemein,Jagdrecht Geschrieben: Freitag, 06.11.2009 um 22:17 von | Comments (2)

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2 Kommentare

  1. Reaktion von Ben:

    Kenne ich bestens!

    Schwarz-, Dam-, Muffel- und Rehwild in hoher Dichte. Man erzählt sich, daß Ulbrichts Teckel beim Wildern vom Förster vor den Augen des Großen Vorsitzenden erlegt wurde; he was not amused!

    Beachtenswert ist auch, daß Warburg, obwohl jüdischer Herkunft, mit seinen Forschungsapparaturen in die Villa ausgelgelagert wurde. Man behauptet, Hitler habe panische Angst vor einer Krebserkrankung gehabt und deshalb die Forschungen Warburgs zum Stoffwechsel der Tumore durch Verlagerung aus dem bombengefährdeten Berlin-Dahlem gefördert.

    7. November 2009 @ 12:56
  2. Pingback from Adventsstimmung | Dr. Schmitz & Partner – intern:

    […] Die Lichter symbolisieren Kerzenlicht: Friedfertigkeit und Hoffnung. Der Berliner in mir erinnert sich an dunklere Zeiten, als es noch üblich war, eine Kerze ins Fenster zu stellen – als Zeichen der Verbundenheit und Brüderlichkeit mit denen, die jenseits der uns auf allen Seiten umgebenden Mauer lebten. Auch das ist – Gott sei Dank – zwanzig Jahre her. […]

    8. Dezember 2009 @ 19:04
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