Dr. Schmitz & Partner – Hauspostille - Schlaglichter aus dem Leben der Berliner Strafverteidiger und Berichtenswertes aus Sicht eines Anwaltes

Es steckt viel Arbeit in den Berliner Grünanlagen

Wir verhandeln mit einem der Berliner Grünflächenämter pro-bono. Mitten in der Innenstadt gibt es einen schönen Platz. Einen sehr schönen Platz, vom Publikum gut angenommen. Wenn er tausend Quadratmeter hat, ist es viel. Rasenfläche, Blumenrabatte, rundum die typischen Sträucher. Als Verhandlungsgrundlage wurde uns der Aufwand für den Platz wie folgt benannt:

Für die Unterhaltung des Platzes … wenden wir 824 Arbeitsstunden pro Jahr auf. Das Wassergeld … beläuft sich auf 1928 €.

Kurz vor dem Urlaub fange ich an zu rechnen:

  • Die thermische Vegetaionsperiode in Berlin dauert im Schnitt 246 Tage
    Quelle: Agrarmeterereologische Schriften Heft 09/2001
  • 246 Tage entsprechen 35 Wochen des Jahres. 35 Sonntage, 35 Samstage, Feiertage bleiben unberücksichtigt = 176 Arbeitstage.
  • 824 Arbeitsstunden werden an 176 Arbeitstagen erbracht, das sind 4,68 Stunden pro Arbeitstag während der Vegetationsperiode, 23 Stunden pro Arbeitswoche.
  • Man müßte doch fast ständig einen Mitarbeiter des Grünflächenamtes auf dem Platz sehen? Auch unter Berücksichtigung des Umstandes, daß auch außerhalb der Vegetationsperiode Arbeiten zu erledigen sind?
  • Irgenwie deckt sich das nicht mit den Wahrnehmungen der Anwohner!

Das werden schwierige Verhandlungen 🙁

Kategorie: Allgemein Geschrieben: Donnerstag, 11.08.2011 um 12:42 von | Comments (2)

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2 Kommentare

  1. Reaktion von Kommentator:

    Ich finde das „Wassergeld“ fast noch beachtlicher – meine Rechnung:
    1 m^3 kostet in Berlin (ausweislich der aktuellen Tarife der Berliner Wasserbetriebe, Link siehe *) 4,633 Euro/Liter (ich habe ganz großzügig die Kosten für Frischwasser _und_ für „Schmutzwasser“ addiert, und das alles brutto, sonst würde es noch wilder – siehe unten).

    Wenn auf dem Platz 1.928,00 Euro pro Jahr für Wasser ausgegeben werden, dann würde man rund 416 m^3 pro Jahr verwenden können bzw. eben auch müssen. Diese Menge in den angegebenen 824 Stunden pro Jahr in irgendeiner Form zu vergießen hieße, pro Arbeitsstunde rund 500 Liter Wasser zu vergießen. Bei durchschnittlichem Wasserdruck (10 Liter pro Sekunde sind zu schaffen) würde man dafür mit einem Gartenschlauch rund 20 Minuten benötigen… in _jeder_ dieser Stunden.

    In den jedes Jahr wieder durchgehend unerbittlich heißen und regenlosen Berliner Sommern wäre das hoffentlich genug Wasser, um die Gewächse zu wässern und die Wege abzuspritzen – oder hat der Platz einen Brunnen oder einen „Wasserspielplatz“ oder so etwas?
    Wenn man sich nun noch fragt, ob die Grünflächenämter als Großabnehmer wirklich den von mir genannten Tarif incl. Schmutzwasser und sogar MwSt. (ha, ha) zahlen müssen, wird einem ganz sprudelig im Kopf… Sind Sie sicher, dass nicht öffentliche Duschen installiert sind? 🙂

    *Link zu den Tarifen der Berliner Wasserbetriebe:
    http://www.bwb.de/content/language1/html/204.php

    11. August 2011 @ 15:06
  2. Reaktion von Kommentator:

    NACHTRAG, bitte beachten:
    Es sind nicht 10 Liter pro Sekunde (das verballert die Feuerwehr bei Großbränden aus den Grundleitungen, das kann man nur mit entsprechend ausgelegtem Equipment schaffen), sondern 10 Liter in 25 Sekunden (aus üblichen Wasserhähnen) – das bitte einbinden und beachten.
    Ansonsten stimmen meine Zahlen, behaupte ich – bin gespannt auf die Replik des Grünflächenamtes, wegen Wasser und wegen Arbeitsstunden…

    11. August 2011 @ 15:10
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