Dr. Schmitz & Partner – Hauspostille - Schlaglichter aus dem Leben der Berliner Strafverteidiger und Berichtenswertes aus Sicht eines Anwaltes

Eins = Viele?

Jeder Strafverteidiger kennt das: Die Presse berichtet und der Verteidiger fragt sich, ob er am selben Prozeß wie die Journalisten teilgenommen hat.

Das diesbezügliche Highlight erlebte ich vor ein paar Tagen. Der Prozeß begann mit einem zuvor von mir angekündigten Befangenheitsantrag. In einer Verhandlungspause schleicht sich ein älterer Herr zum Staatsanwalt und bespricht etwas mit ihm. Er hat einen Block in der Hand und macht sich fleißig Notizen.

Am nächsten Tag beginnt ein Zeitungsbericht vorwurfsvoll mit der Mitteilung, daß sich die Berufsrichter zum Prozeßbeginn mit mehreren Befangenheitsanträgen auseinandersetzen mußten. Der Rest des Berichtes war ebenfalls überwiegend unrichtig.

Da kann der Typ noch nicht einmal zählen. Selbstverständlich hat er sich auch nicht mit einem der Verteidiger unterhalten. Und auf meinen Vorwurf an einem der nächsten Verhandlungstage, daß er wohl Schwierigkeiten mit dem Zählen habe antwortete er, mit mir würde er nicht diskutieren.

So viel zum Wahrheitsgehalt einfachster Nachrichten aus der Rubrik Journalistenschelte. Mehr zu deren Höchstleistungen in unseren Beiträgen

Kategorie: Allgemein,Journalistenbeschimpfung,Olaf Tank,Strafrecht Geschrieben: Mittwoch, 01.10.2014 um 16:38 von | Comments (6)

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6 Kommentare

  1. Reaktion von Strafakte.de:

    Ich vermute, das war irgendein Dorf-/Kleinstadt-Käseblatt? Was will man da anderes erwarten? Diese bösen Verteidiger, die ihren Mandanten um jeden Preis raushauen wollen …

    1. Oktober 2014 @ 20:33
  2. Reaktion von RA Jede:

    Nein, eine große Regionalzeitung mit mehr als 380 Taussend Lesern. Der Beitrag ist nicht namentlich gezeichnet, sondern entstammt der Redaktion.

    2. Oktober 2014 @ 09:16
  3. Reaktion von malnefrage:

    Bei den Nicht-Käseblättern läuft es dann umgekehrt und der Starreporter lässt sich exklusiv von der Verteidigung soufflieren, dass hier offensichtlich ein Unschuldiger verurteilt werden soll etc. Siehe z.B. die journalistische Meisterleistung der Süddeutschen Zeitung (lange vor dem Ende der Beweisaufnahme und vor dem Urteil) „Ein Mord, der keiner war“

    1. Oktober 2014 @ 22:14
  4. Reaktion von RA Jede:

    So oder so ist es übelster Journalismus. Ich will weder das eine noch das andere. In vielen Bereichen kann ich die Qualität eines Beitrages beurteilen, in den meisten fehlt mir die Kompetenz. Wenn einer aber micht mal zwischen eins und mehreren unterschieden werden kann brauche ich keine Zeitung mehr.

    2. Oktober 2014 @ 09:19
  5. Reaktion von RA Tank:

    zudem:

    einer schreibt vom anderen (ungeprüft) ab:

    http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/508881/inkasso-anwalt-olaf-tank-steht-in-landshut-vor-gericht

    Dadurch bekommt es dann für viele Leser (= unkritisch) den Gehalt von „Wahrheit“… „was überall steht, muss doch stimmen“ – aber das ist ein anderes Thema …

    3. Oktober 2014 @ 14:04
  6. Reaktion von D.:

    In dem Zusammenhang habe ich allerdings schon schlimmeres gelesen. Der dortige Redakteur hat nun immerhin auch im Ansatz die andere Sicht der Dinge beleuchtet. Die BILD hätte das nicht getan.

    4. Oktober 2014 @ 19:30
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